30.04.12
Adoption als Erziehungsmaßnahme - Wie eine Frau seit 25 Jahren um ihre Kinder kämpft

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Stellen Sie sich vor: Sie kommen zum Kindergarten, um Ihr Kind abzuholen, aber es ist nicht mehr da! Die Erzieherinnen erklären Ihnen nur kurz und knapp: Beamte haben Ihr Kind abgeholt. Die Begründung: Sie seien nicht in der Lage es zu erziehen! Jeglicher Kontakt, ja noch nicht einmal eine Verabschiedung wird Ihnen erlaubt! Zwangsadoption nennt man das heute. Im Jargon des DDR-Staates bezeichnete man das Vorgehen lapidar als "Gegenmaßnahme zur Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten mittels Kindeswegnahme". Dem Unrechtsstaat schien das scheinbar ein obligates Mittel zu sein, unliebsame Bürger, die sich gegen den Staat auflehnten, gefügig zu machen.

Die heute 45jährige Manuela Grobba hat zumindest genau das erlebt. Eines Abends wollte sie ihren damals anderthalb Jahre alten Sohn Gerd aus dem Kindergarten abholen: "Ich weiß noch ganz genau, ich kam nach Feierabend her, um ihn abzuholen und er war weg! Einfach weg!" Die Erklärung des Jugendamtes ist kurz und knapp: Der Mutter wurde gesagt, ein Stasi-Mitarbeiter hätte sie nachts um 2 Uhr draußen mit ihrem Kind gesehen und deswegen sei sie nicht in der Lage ein Kind zu erziehen! Seit dem hat sie nie wieder was von Gerd gehört! Das Einzige, was ihr geblieben ist, ist ein Foto von ihr und Gerd geblieben. Doch es kommt noch schlimmer, denn Manuela ist zu dem Zeitpunkt schwanger mit ihrem zweiten Sohn David. Nur einen Tag nach der Geburt wurde ihr auch David weggenommen. Die Begründung die gleiche wie beim ersten Kind.

Rund 25 Jahre später erzählt sie bei PLANETOPIA ihre ganze Geschichte und macht sich erneut auf die Suche nach ihren Söhnen, die sie bis heute nicht mehr gesehen hat.

Buchtipp:
Entrissen: der Tag, als die DDR mir meine Mutter nahm
Katrin Behr
Gebundene Ausgabe, 304 Seiten, Droemer Verlag 2011
ISBN 978-3426275665
Empf. VKP EUR 16,99