Musikplagiate - wenn Popstars Songs klauen
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Rheinland-Pfalz. Sinzig. Westumer Straße. Heimat eines heimlichen Weltstars. Wir sind bei Familie Winter. Vater Jürgen ist Musiklehrer. Die eigene Karriere und seine Rock-Band Jud’s Gallery sind eigentlich Vergangenheit. Wäre da nicht Winters Frau Heidi. Als die eines Tages, zum ersten Mal, die alten Aufnahmen ihres Mannes auf CD anhört, stellt sie plötzlich fest:
Heidi Winter: „Ich kenne es.“ Jürgen Winter: „Woher willst du das kennen?“ Heidi Winter: „Das weiß ich nicht, das kommt mir bekannt vor. Meine Ohren täuschen sich nicht.“ Jürgen Winter: „Nein, das kann nicht sein, das ist unmöglich.“ Und das ist sie: die Melodie... die im Hause Winter fortan für heiße Diskussionen sorgt. Heidi Winter: „Worauf man Mann dann feststellte, das Lied kannst du nicht kennen – das ist von mir. Das war bis da auch nicht mehr im Radio zu hören. Aber ich habe gesagt, ich kenne es. Und wie Männer so sind: sie glauben ihren Frauen nichts.“ Doch Heidi beharrt auf dem Ohrwurm – und schließlich führt sie die heimische Recherche zu dem Song... eines gewissen Gary Moore. Ein Welthit. „Still got the blues for you....“ |
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Jürgen Winter, Jud’s Gallery: “Das war erst einmal unglaublich. Ich konnte es nicht zuordnen. Ich dachte, Moment mal, Gary Moore, der hat es mir geklaut, hat es sich entlehnt, das kann nicht sein. Als wir es dann eben übereinander gelegt haben, und auch verglichen haben, das war schon spannend, in dem Moment.“
Jürgen Winter, hier rechts am Bass, mit seiner Band Jud’s Gallery. Der Song heißt „Nordrach“ – ein Lied über einen Fluss im Schwarzwald. Wir legen die zwei Songs übereinander. Der Sinziger Songschreiber hat sein Lied 1974 veröffentlicht, Moore den Welthit erst 1990. Winter zieht vor Gericht. |
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Jürgen Winter: „Das war ein flaues Gefühl in der Magengegend. Und, es war Schiss da, ganz einfach, kann man das durchziehen, hat man die Kraft es durchzuziehen, hat man die Chance, in Deutschland so etwas überhaupt zu gewinnen.“ Die hörbaren Argumente sind unschlagbar – angeblich hat Gary Moore 1974 ein Konzert von Jud’s Gallery in Bonn-Beuel besucht, so Gerüchte. Jörn Schlüter, Autor beim Musikmagazin „Rolling Stone“, weiß, dass Winter jetzt eindeutig im Vorteil ist. Jörn Schlüter, Musikautor: „Wenn er durchkommt, mit seinem Plagiatsvorwurf, da hat er natürlich Riesenvorteile, weil er enorm viel Geld kriegt, in den meisten Fällen wesentlich mehr Geld, als er mit seinem Lied verdient hätte.“ |
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Der aktuellste Fall in der Reihe der gestohlenen Akkorde betrifft die Band Coldplay. Abräumer bei den diesjährigen Musik-Oscars, den Grammys – mit ihrem Hit „Viva la Vida“ Chartstürmer. Doch genau über dieser Melodie liegt jetzt ein dunkler Schatten. Der Schatten dieses Titels: „If I could fly“ – vom ehemaligen Deep Purple-Gitarristen Joe Satriani. Die Gerichte sind eingeschaltet, die Anwälte toben – und die Fangemeinde ist im Krieg – Coldplay gegen Joe Satriani. Im Internet befasst sich ein gewisser Andrew Wasson mit diesem Songstreit – der Blog des amerikanischen Musiklehrers wird hundertausendfach geklickt. Andrew Wasson, Musiklehrer: „Ich habe mir beide angehört – und: der Coldplay-Song ist schon sehr ähnlich, hier und da ein paar Variationen...“ Der Coldplay-Song klingt so... Andrew Wasson: „Bei Satriani sind die Akkorde D Dur, E Dur, A Dur und F moll.“ Übrigens die gleichen wie bei Coldplay. Und noch einmal... Andrew Wasson: „Hier ist der Satriani-Song... Und hier ist der Coldplay-Song. Wirklich identisch!“ |